Der 1. Zukunftstag der Berliner Gewerbe- und Industriegebiete fand diese Woche statt. Dort stand die zukünftige Entwicklung der Gewerbestandorte im Mittelpunkt. Dabei darf aber nicht vergessen werden, auf welche langjährige Geschichte diese Standorte größtenteils zurückblicken: Das industrielle Erbe Berlins kann auch in der DNA von häufig Standort-prägenden heutigen Produktionsbetrieben gefunden werden. Und manches innovative Startup aus Berlin hat das Zeug zu einem großen Namen der Zukunft heranzuwachsen. Drei Karten zeigen Entwicklungsstränge der Berliner Wirtschaftsgeschichte…

Berlin hat seit dem 19. Jahrhundert mehrere weltweit prägende Industriekonzerne hervorgebracht. Die “Elektropolis” Berlin mit der Berliner Funkausstellung prägten die Wahrnehmung des Wirtschaftsstandorts Berlin weltweit. Von den klassischen Gründungen (siehe erste Karte) sind heute vor allem Siemens und Schering (als Teil des Bayer-Konzerns) weltweit relevante Großkonzerne, die zwar ihren Unternehmenssitz heute nicht mehr in der Hauptstadt haben, jedoch weiterhin zentrale Produktions- und Entwicklungsstandorte in der Stadt betreiben und auch weiter ausbauen.
Die Karte zeigt auch welche der Unternehmen heute nicht mehr bestehen: Agfa, OSRAM, Knorr-Bremse, Loewe, Blaupunkt, AEG und Telefunken sind zwar weithin bekannte Unternehmensnamen, sie sind aber entweder in anderen Unternehmen aufgegangen, haben ihre Produktion aus der Hauptstadt weg verlagert oder bestehen heute nur noch als Marke. Wieder andere, beispielsweise die Albatros Flugzeugwerke oder Argus Motoren, sind dagegen weitgehend in Vergessenheit geraten.

Berlin war zunächst ein Zentrum des Maschinen-, Elektro-, Verkehrs- und Chemieanlagenbaus; seit den 1990er-Jahren verlagerte sich das Gründungsgeschehen stark zu Software, Plattformen, Medizintechnik und Energietechnik. Besonders stark ist Berlin heute in hochspezialisierten Technologiebereichen, etwa in der Medizin. Unternehmen wie BIOTRONIK, Berlin Heart und Eckert & Ziegler besetzen international relevante Nischen. PSI, FRITZ!, Ableton und Native Instruments stehen für die neuen Schwerpunkte im Digitalbereich und in hybrider Wertschöpfung (siehe Karte 2).
Von der Dynamik der Zeit bis zum ersten Weltkrieg war die in Karte 2 dargestellte Phase der Zwischen- und Nachkriegszeit weit entfernt: Die Teilung Berlins in zwei auch wirtschaftlich vollkommen unterschiedliche Teilstädte ist einer der Gründe, warum die Karte dieses Zeitabschnitts deutlich aufgeräumter wirkt.
Der Strukturwandel in den 1990er Jahren führte zum Verschwinden der Ostberliner Großunternehmen, den “Volkseigenen Betrieben” (VEB, siehe Karte 2), zahlreiche Arbeitsplätze gingen verloren und produktionsfremde Nutzungen drangen in die Standorte ein. Es folgten Jahre mit wachsendem Leerstand und Verfall, aber auch mit Freiheiten, die es sonst nirgends gab. Daraus erwuchs schließlich etwas Neues: Um die Jahrtausendwende begann der Aufstieg Berlines zu einer digitalen Start-up Metropole. Dazu ermöglichte die dichte Forschungslandschaft auch einen neuerlichen Aufschwung in Hochtechnologie-Bereichen, die durchaus an die Innovationen aus den Zeiten der Elektropolis anknüpfen.

Die dritte Karte zeigt, wie sich seit der Jahrtausendwende einzelne Unternehmen aus einem Meer von Startups (Punkte in türkis, Karte 3) herausschälen: die bekanntesten Berliner Unternehmen im digitalen Zeitalter, allen voran das Fintec-Unternehmen N26 und der Online-Versandhändler Zalando. Ihre Standorte sind nicht auf Gewerbestandorte angewiesen und ballen sich eher an den repräsentativen Orten der inneren Stadt.
Nicht auf den Karten dargestellt sind große Unternehmen, die lediglich bedeutende Werke oder Hauptverwaltungen in Berlin unterhalten, aber nicht in Berlin gegründet wurden. Dazu zählen etwa die Berliner Werke von BMW oder Stadler oder der Produktionsstandort von ASML in Neukölln. Sie werden wir in nachfolgenden Artikeln noch genauer betrachten, wenn es etwa um die effektive wirtschaftliche Bedeutung für Stadt, Angestellte und Standort gehen wird.

…über den Zukunftstag Gewerbe:
Berlins Gewerbe- und Industriegebiete sind Arbeitsorte, Produktionsstandorte, Orte der Innovation und unverzichtbar für das Funktionieren der Stadt. Zugleich stehen sie unter erheblichem Druck: Flächenkonkurrenz, steigende Anforderungen an Energieversorgung und Klimaschutz, neue Mobilitätsbedarfe sowie veränderte Sicherheits- und Resilienzanforderungen prägen ihre Zukunft.
Wie können Gewerbe- und Industriegebiete langfristig gesichert, weiterentwickelt und als Standorte für Berliner Unternehmen gestärkt werden? Darüber diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Unternehmensnetzwerken und Immobilienwirtschaft beim ersten Zukunftstag der Berliner Gewerbe- und Industriegebiete am Mittwoch den 15. Juli in Berlin. Wir begleiten die Veranstaltung der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe mit Beiträgen und Karten zu den Berliner Gewerbe- und Industriestandorten.
Weitere Informationen zum Zukunftstag der Berliner Gewerbe- und Industriegebiete finden Sie auf der regioteam-Webseite: www.regioteam-berlin.de/zukunftstag